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 Meine erste Arbeit
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Von: Honigbiene (offline) am Mittwoch, 20 Oktober 2010 @ 11:13 Uhr (3767 Mal gelesen)  
Honigbiene

Hallo ihr Lieben.

Ich bin nun sozusagen ein Frischling hier und schreibe seit einiger Zeit an meinem ersten Roman. Es wird ein Vampirroman werden, auch wenn ich
mir durchaus im Klaren darüber bin, dass es diese mittlerweile wie Sand am Meer gibt. Meine Begeisterung für diese Thematik erstreckt sich
nun schon über viele Jahre und geht weit über die Geburt von "Stephanie Meyers - Biss - Reihe hinaus.

Ich würde euch gerne einmal die Anfangszeilen meines ersten Werkes zeigen und außerhalb der Kritik meiner Freundin, objektive Meinungen hören.

************************************

Es war etwas feuchtes, kaltes, das mich aus meinem Schlaf riss.
Irgendetwas zwickte und zupfte an meiner Bettdecke und arbeitete sich unsanft von meinem Oberschenkel, immer höher in Richtung Kopfende.
Dieses feuchtkalte Etwas, das auch noch ziemlich behaart war wie ich feststellte, glitt an meinem Rücken entlang und meine Arme überzog eine schreckliche Gänsehaut.
Es war mein Golden Retriever Sammy, der ungestüm mit seiner Schnauze in meiner Decke wühlte und sich dann heimlich unter sie schlich, um sich sein Fell zu wärmen.

Ich sah auf meinen Wecker – 7 Uhr.

>>Sammy, das ist nicht fair, mich so aus meinen Träumen zu reißen.<< stieß ich total verschlafen und frustriert hervor.

Ich hatte einen wunderschönen Traum, der jedoch in diesem Moment wie eine Seifenblase zerplatzte und mich in die Realität zurück brachte.
Ich träumte des öfteren diesen Traum, der mich immer wieder auf die gleiche Art und Weise fesselte.
Es waren zwar immer nur Bruchstücke an die ich mich dabei erinnern konnte, aber sie waren unbeschreiblich.

Immer wieder sah ich eine Art Wappen auf einer großen, grauen Steinwand, in einer Landschaft wie sie im Buche steht.
Überall waren wunderschöne Blumen, im Hintergrund ragten Berge und Bäume wie gemalt hervor und mittendrin plätscherte ein kleiner Bach.

Das nächste und bei weitem interessanteste Bruchstück in meinem Traum war ein mysteriöser, junger Mann, mit hellbraunem, leicht wuscheligem Haar.
Er hatte eine wirklich anmutige und zugleich stark männliche Erscheinung, wie ich sie noch nie gesehen hatte.
Seine helle Haut passte gut zu seinen sinnlichen Erdbeerlippen und den schneeweißen Zähnen.
Er war wirklich die Art Mann, der einen sofort um den Finger wickeln konnte und dem man sich bedingungslos hingeben würde, wenn er es wollte.

Und zu guter letzt war da noch ICH in meinem Traum.
Ich ging auf den jungen Mann zu, streckte im nächsten Moment meine Hand nach ihm aus, nahm mit einem breiten Lächeln im Gesicht seine Hand
und schaute verlegen zu ihm hoch. Er strahlte mich mit seinem hypnotisierenden Lächeln und seinen Saphirblauen Augen an, zog mich mit seinen starken Armen sanft zu sich heran,
beugte sich zu mir herunter und küsste zärtlich meinen Handrücken.

Für gewöhnlich erwachte ich dann. Wie gesagt es war nur ein Traum, denn warum sollte sonst ein so wunderschöner Mensch, jemanden wie mich
auch nur ansatzweise beachten? Ich war nicht einmal der übliche Durchschnitt und hatte hier und da meine kleinen Problemzonen und war üblicherweise
nicht mehr als die “gute Freundin” gewesen.

Mein letzter Freund David stellte sich als psychotischer Stalker heraus, der mir zeitweise immer noch das Leben schwer machte
und somit konnte ich nicht einmal aktuell mit so etwas wie einer Beziehung glänzen.
Ich versuchte wieder in meine Traumwelt zu gelangen, drehte mich um und kuschelte mich fest an Sammy, streichelte sein weiches Fell und schloss erneut die Augen.
Doch so sehr ich es mir auch wünschte und mich bemühte, es wollte mir nicht mehr gelingen einzuschlafen und so blieb mir wieder nur die Erinnerung
an das warme, belebende Gefühl was ich in meinem Traum empfand. Ich setzte mich auf, streckte meine verschlafenen Glieder, drehte mich zum Bettrand und ließ,
immer noch verträumt, die Beine baumeln.
Mein Traum war immer so real gewesen, dass ich es fast selbst nicht glauben konnte. Aber es musste ein Traum sein, denn ich hatte diesen Mann noch nie in meinem Leben gesehen und wurde erst recht nicht von ihm geküsst.

<<Jetzt ist aber genug geträumt, Ashley Galen. Reiß dich gefälligst zusammen.>> ermahnte ich mich selbst.
Leicht nach hinten gedreht strich meine Hand noch einmal sanft über Sammys Fell, der immer noch seelenruhig, eingekuschelt schlief und ich sprang voller Elan aus dem Bett.
Ich ging zum Fenster und zog die schweren, roten Vorhänge beiseite, um die Sonne herein zu lassen, die heute mal ein wenig durch die Wolken schien. Ich stand noch eine Weile
mit ausgebreiteten Armen da und ließ die Sonnenstrahlen meinen Körper erforschen und die aufsteigenden Glückshormone sprießen.
Mit einem Lächeln im Gesicht und voller Vorfreude auf den Tag, zog ich mir schnell meine ausgeblichene Jeans und einen Pullover über und band mir die Haare locker im Nacken zusammen. Leichtfüßig sprang ich die lange Treppe hinunter, die von meinem Zimmer in die unterste Etage führte und es lag bereits ein herrlich duftender Geruch von frisch aufgebrühtem Kaffee in der Luft.
Ich erreichte die letzte Treppenstufe und ging dann geradewegs auf die Küche zu. Mein Blick schweifte über die alten braunen Küchenmöbel bis hin zu der kleinen Essecke neben dem Fenster
und da saß sie. Die wichtigste Person in meinem Leben. Meine liebe Oma May.

************************
So, dies sind nun die ersten Zeilen von mir, aber bei weitem nicht die einzigsten, denn mittlerweile habe ich stolze 238 Buchseiten zusammen *juchuuu* und hoffe es werden noch ein paar mehr :-)
Ich bin euch wirklich überaus dankbar, für ehrliche Meinungen, denn nur durch Kritik kann man lernen und seine Arbeit wirklich gut machen.

LG Nancy


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Von: Admin (offline) am Mittwoch, 20 Oktober 2010 @ 20:27 Uhr  
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Hallo Honigbiene,

interessiert habe ich Deine Zeilen gelesen, komme aber immer wieder ins stocken, weil ich Passagen nicht gleich beim Erstenmal verstehe.

Also zuerstmal Du schläfst nackt und auf der Seite liegend, weil sonst würdest Du Dein Hundchen ja nicht spüren.

Dann sagst Du, der Traum sei "unbeschreiblich" aber beschreibst ihn dann doch ... verstehe ich nicht.

Er strahlte mich mit seinem hypnotisierenden Lächeln und seinen Saphirblauen Augen an, zog mich mit seinen starken Armen sanft zu sich heran,
beugte sich zu mir herunter und küsste zärtlich meinen Handrücken.


Eng umschlungen küsst Er die Hand?

Aber es musste ein Traum sein, denn ich hatte diesen Mann noch nie in meinem Leben gesehen und wurde erst recht nicht von ihm geküsst.


Du bist doch garnicht geküsst worden, oder?


Deine Zeilen lesen sich gut, auch wenn sie noch Ecken und Kanten haben.

Gruß Dieter


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Von: Honigbiene (offline) am Mittwoch, 20 Oktober 2010 @ 21:54 Uhr  
Honigbiene

Hallo Dieter,

zu allererst danke ich dir herzlich, für deine Meinung.
Du sagtest, dass ich nackt und auf der Seite schlafen würde, weil ich den Hund ja sonst nicht spüren könnte.
Eigentlich hat Ashley ein Nachthemd an, aber das sollte ich wohl noch mit einbauen, da es wirklich nicht nachvollziehbar ist.
Es ist wirklich nicht so einfach den richtigen Punkt zu finden, muss ich zugeben. :-)
Man selber weiß worüber man schreibt und versteht die Handlung natürlich, aber der Leser wird quasi blind in die Geschichte geworfen und
muss sich an allen Indizien orientieren.
Zu dem Hund muss ich sagen, ich habe selber einen Boxer zuhause und er macht genau diese Sachen mit uns und ich schlafe auch nicht nackt :-)
Ich sollte vielleicht noch einmal genau überlegen, wie es sich anfühlt, wenn er mit seiner schnauze die Bettdecke beiseite schiebt und seine kalte, feuchte
Nase darunter gleitet und mein Bein streift, oder eben meinen Arm, Nacken oder wo auch immer....er ist da sehr erfinderisch, wenn er wärme sucht ;-)
Und es sollte am Anfang halt so klingen, dass man noch nicht gleich weiß wovon sie da redet und hinterher wird halt aufgedeckt, dass es nur der Hund ist ;-)

Zu dem hier:

Dann sagst Du, der Traum sei "unbeschreiblich" aber beschreibst ihn dann doch ... verstehe ich nicht.


Da hast du ebenso Recht. Man kann nicht erst etwas unbeschreiblich finden und dann doch ohne Probleme darüber reden. Ich sollte den Traum wohl eher als wunderschön
bezeichnen, dass wäre wohl einleuchtender :-)

Er strahlte mich mit seinem hypnotisierenden Lächeln und seinen Saphirblauen Augen an, zog mich mit seinen starken Armen sanft zu sich heran,
beugte sich zu mir herunter und küsste zärtlich meinen Handrücken.
Eng umschlungen küsst Er die Hand?



Wieso eng umschlungen? Das versteh ich jetzt nicht ganz. :-) ...Währe es verständlicher wenn ich sagen würde "Er strahlte mich mit seinem hypnotisierenden Lächeln und seinen Saphirblauen Augen an, zog mich mit seinen starken Armen ein wenig zu sich, doch gerade so viel, dass er sich zu mir herunter beugen und meinen Handrücken küssen konnte."

Aber es musste ein Traum sein, denn ich hatte diesen Mann noch nie in meinem Leben gesehen und wurde erst recht nicht von ihm geküsst.
Du bist doch garnicht geküsst worden, oder?



Nun ja....Sie wurde nicht auf den Mund geküsst, aber wohl auf die Hand :-)
Aber diesen Teil kann man sicher auch weglassen oder es genau beschreiben, dass sie den Handkuss meint.

Ich möchte mich noch einmal aufrichtig für deine Kritik bedanken und werde wohl meine bisherigen Zeilen schon einmal Nachkontrollieren.

LG Nancy


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Biederitz

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Von: Honigbiene (offline) am Montag, 25 Oktober 2010 @ 21:30 Uhr  
Honigbiene

Hier mal eine überarbeitete Version:



Etwas Feuchtes, Kaltes riss mich an jenem Morgen aus dem Schlaf. Irgendetwas zerrte fordernd an meiner Bettdecke und arbeitete sich unsanft von meinen Füßen zu meinem Oberschenkel, glitt höher in Richtung Kopfende und schob dabei ruppig mein Nachthemd hin und her. Dieses feuchtkalte Etwas, das sich auch auch noch als ziemlich behaart erwies, fuhr an meinem Rücken entlang und, zutiefst erschrocken, bekam ich plötzlich Gänsehaut.
Es war mein Golden Retriever Sammy, der ungestüm mit seiner kalten Schnauze in meiner Decke wühlte, sie immer wieder hin und her schob und sich dann gekonnt unter sie schlich. Er war wirklich sehr erfinderisch wenn es darum ging sein Fell zu wärmen, dass musste man ihm lassen.
Ich sah auf meinen Wecker – Sieben Uhr.
„Sammy, es ist nicht fair, mich so aus meinen Träumen zu reißen.“ stieß ich total verschlafen und enttäuscht hervor.

Ich hatte einen wunderschönen Traum gehabt, der jedoch in diesem Moment jäh unterbrochen worden war. Die Realität hatte mich wieder. Ich träumte des öfteren diesen Traum, der mich immer wieder auf die gleiche Art und Weise fesselte. Es waren zwar immer nur Bruchstücke an die ich mich dabei erinnern konnte, aber sie waren unvergesslich schön.
Immer wieder sah ich eine Art Wappen auf einer großen, grauen Steinwand, umgeben von einem dichten Wald. Die Landschaft war übersät von wunderschönen Blumen, im Hintergrund ragten Berge und Bäume wie gemalt hervor und mittendrin plätscherte ein kleiner Bach.
Das nächste und bei weitem interessanteste woran ich mich erinnerte war ein mysteriöser, junger Mann, mit hellbraunem, seidig glänzendem Haar. Er wirkte sehr anmutig und zugleich auch überaus männlich. Seine elfenbeinfarbene Haut passte gut zu den sinnlichen Erdbeerlippen, die ein strahlendes Lächeln formten. Er war genau der Mann, der einen sofort um den Finger wickeln konnte und dem man sich bedingungslos hingeben würde, sollte er es wollen.
Und zu guter letzt war da noch ICH in meinem Traum.
Ich ging auf den jungen Mann zu, streckte im nächsten Moment meine Hand nach ihm aus, nahm mit einem breiten Lächeln im Gesicht seine Hand und schaute verlegen zu ihm hoch. Er strahlte mich mit hypnotisierendem Lächeln und seinen saphirblauen Augen an und zog mich mit seinen starken Armen ein kleines Stück zu sich heran. Gerade genug, um sich zu mir herunter beugen und meinen Handrücken küssen zu können.

Für gewöhnlich erwachte ich dann. Wie gesagt es war nur ein Traum, denn warum sollte sonst ein so wunderschöner Mensch, jemanden wie mich auch nur ansatzweise beachten? Ich war nicht einmal der übliche Durchschnitt, hatte hier und da meine Problemzonen und war üblicherweise nicht mehr als „die gute Freundin” gewesen. Mein letzter Freund David stellte sich als psychotischer Stalker heraus, der mir zeitweise immer noch das Leben schwer machte und somit konnte ich nicht einmal aktuell mit so etwas wie einer Beziehung glänzen.
Ich versuchte wieder in meine Traumwelt zu gelangen, drehte mich um und kuschelte mich fest an Sammy. Meine Hand strich über sein weiches Fell und ich schloss erneut die Augen. Doch so sehr ich es mir auch wünschte und mich bemühte, es wollte mir nicht mehr gelingen einzuschlafen. Wiedereinmal blieb mir nur das belebende Gefühl, das ich in meinem Traum empfand. Ich setzte mich auf, streckte meine verschlafenen Glieder, drehte mich zum Bettrand und ließ, immer noch verträumt, die Beine baumeln.
Die Realität meines Traums verblüffte mich immer wieder aufs Neue. Hatte ich diesen Mann doch noch nie in meinem Leben gesehen und wurde erst recht nicht von ihm geküsst.
„Jetzt ist aber genug geträumt, Ashley Galen. Reiß dich gefälligst zusammen.“ ermahnte ich mich selbst.
Leicht nach hinten gedreht strich meine Hand sanft über Sammys Fell, der immer noch seelenruhig, eingekuschelt schlief und ich sprang voller Elan aus dem Bett. Eifrig ging ich zum Fenster und zog die schweren, roten Vorhänge beiseite, um die Sonne herein zu lassen, die heute mal ein wenig durch die Wolken schien. Ich stand eine ganze Weile mit ausgebreiteten Armen da und ließ die Sonnenstrahlen meinen Körper erforschen und die aufsteigenden Glückshormone sprießen. Mit einem Lächeln im Gesicht und voller Vorfreude auf den Tag, zog ich mir schnell meine ausgeblichene Jeans und einen Pullover über und band mir die Haare locker im Nacken zusammen.
Leichtfüßig sprang ich die Treppe in die unterste Etage hinunter und genoss den herrlichen Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee. Unten angekommen ging ich geradewegs auf die Küche zu. Mein Blick schweifte über die alten braunen Möbel bis hin zu der kleinen Essecke neben dem Fenster und da saß sie. Die wichtigste Person in meinem Leben. Meine liebe Oma May.

Nach dem schrecklichen Autounfall vor sieben Jahren, bei dem meine Eltern ums Leben gekommen waren, war sie diejenige, die sich um mich gekümmert hatte. Ich kann mich nur noch schemenhaft an die tragischen Ereignisse erinnern, die in jener Nacht passierten:


Es war ein kühler Dezemberabend und die Straßen waren leicht mit Frost bedeckt. Unser Besuch bei meiner Tante Grace ging zu Ende und Port Alberni lag schnell hinter uns. Wir fuhren die dicht bewaldete Landstraße entlang, als plötzlich ein Hirsch, wie aus dem Nichts, vor unser Auto sprang. Vor Schreck schrie ich auf, klammerte mich an den Türgriff und riss die Augen weit auseinander, während mein Vater versuchte mit aller Kraft zu bremsen. Es war jedoch bereits zu spät.
Der Hirsch prallte mit voller Wucht gegen die Motorhaube, drückte mit seinem Geweih die Windschutzscheibe ein und steckte nun im Auto fest.
Das Fell des Tieres war blutüberströmt und seine großen Augen blickten ängstlich ins Leere, ehe sie sich langsam und scheinbar endgültig schlossen. Ich schrie direkt noch lauter, denn das Auto fing an über die Straße zu rutschen und schlug seitlich, mit ohrenbetäubendem Lärm gegen einen Baum.
Mein Kopf stieß kräftig gegen das Seitenfenster und ich griff sofort an meine Stirn, als der Schmerz sich dort zeigte.
Ich hatte mir eine Platzwunde zugezogen und spürte, wie mein Blut langsam an der Schläfe herunter lief. Mein Versuch, mich ein wenig aufzurichten und einen Blick auf meine Eltern zu werfen scheiterte jäh, denn ich konnte mich nicht bewegen und war auf der Rückbank eingeklemmt.
Immer mehr Blut tropfte von meinem Gesicht und ich spürte, wie es um mich herum allmählich dunkler wurde und ich der Ohnmacht sehr nahe war.
Ich erinnere mich nur noch vage daran, dass irgendjemand die Hintertür aufriss und mich vorsichtig aus dem Auto zog. Eine kühle Hand strich über meine blutverschmierte Wange und eine sanfte Stimme sagte leise zu mir, dass alles wieder gut werden würde und ich keine Angst zu haben brauchte.
Dann wurde es schwarz vor meinen Augen und ich befürchtete, dass dies das Ende für mich war.

Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich bereits im Krankenhaus und einige Stunden waren seit dem Unfall verstrichen. Mein Schädel brummte fürchterlich und das grelle Licht der Deckenlampe, stach wie ein Pfeil in meine Augen.
Das Erste was ich sah, als sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten war meine Oma May. Sie saß neben meinem Bett und hielt zitternd meine Hand. Tränen rannen über ihre faltigen Wangen und als sie sah, dass ich wieder bei Bewusstsein war, schluchzte sie noch intensiver. Sie schien überglücklich mich am Leben zu sehen, doch das war, wie ich feststellen musste nicht der einzige Grund für ihr Tränenmeer.
Ihre runzeligen, kleinen Finger ergriffen meine Hand, als ich mich nach meinen Eltern erkundigte und sie schien innerlich vor Schmerz zu zerbrechen, als sie mir vom Tod meines Vaters - ihres Sohnes - und meiner Mutter erzählte.
Ich starrte sie ungläubig an, schüttelte widerstrebend meinen Kopf und wollte nicht glauben, was sie da von sich gab. Nie wieder würde mein Vater mich liebevoll in seine Arme nehmen, oder meine Mutter mich sanft auf die Stirn küssen und ich würde fortan völlig auf mich allein gestellt sein.
Schluchzend und nach Luft ringend lag ich nun in meinem Bett, kauerte mich zusammen und versuchte mit der Leere und dem Schmerz fertig zu werden, der sich in meiner Brust ausbreitete.

Meine Oma und auch die später eintreffenden Polizisten und Ärzte befragten mich in den kommenden Tagen, ob ich mich daran erinnern könnte, wie ich in die Notaufnahme gekommen war, doch ich hatte keinen blassen Schimmer. Man erklärte mir, dass der Pfleger, der gerade erst seine Nachtschicht im Krankenhaus angetreten hatte, von Weitem nur eine dunkel gekleidete Gestalt im Flur der Notaufnahme sah, die sich an einer Bare zu schaffen machte. Nachdem er sich dem Fremden schnellen Fußes näherte und bemerkt wurde, verschwand die Person eilig und ließ mich dort zurück.
Als wäre dies nicht schon absurd genug, ging auch der Notruf erst fünf Minuten nach meiner Ankunft im Krankenhaus ein und kam, wie nicht anders zu erwarten, von anonymer Stelle.
Und obwohl die örtlichen Nachrichten über den Unfall berichteten und vehement an die Person appellierten sich zu melden, blieb mein Retter bis heute spurlos verschwunden.

Nach einer Woche durfte ich das Krankenhaus dann verlassen, denn meine körperlichen Verletzungen waren gut verheilt. Meine Seele würde allerdings noch Monate brauchen um sich zu erholen, denn sobald ich des Nachts meine Augen schloss, sah ich die schrecklichen Bilder des Unfalls an mir vorüber ziehen und hörte wie meine Mutter lauthals schrie.

Meine Oma, die ebenfalls zu tiefst erschüttert war, über die tragischen Umstände, hatte mich sofort bei sich in Tofino aufgenommen und war fortan alles was ich noch hatte. Und ich war dankbar dafür.




Nun saß sie da, mit ihren kleinen, in Falten gelegten Händen am Küchentisch und schlürfte genüsslich ihren Kaffee. Ihr Blick wurde warm und weich und ein liebevolles Lächeln schmückte ihr Gesicht, als sie mich in die Küche kommen sah.
„Guten Morgen mein Engel. Du bist früh wach, hast du gut geschlafen?“ fragte sie leicht besorgt.
Ich nahm mir eine Tasse aus dem Schrank, goss mir den herrlich duftenden Kaffee ein und setzte mich zu ihr.
„Ich habe wieder wunderbar geschlafen Oma, nur Sammy hat mich leider zu zeitig geweckt“ sagte ich mit leichtem Schmollmund.

„Ich hatte wieder diesen Traum, Oma. Wieder von diesem wunderschönen Mann, den ich nicht kenne und langsam fange ich an, wirklich an mir zu zweifeln“ fügte ich leicht bedrückt hinzu und nahm einem Schluck aus meiner Tasse.
„Mach dir keine Sorgen um deinen Verstand mein Schatz. Du weißt, ich denke, dass alles was im Leben passiert einen Sinn hat und wer weiß, vielleicht triffst du nachher ja deinen Traumprinzen im Keller beim Wäsche waschen.“ sagte sie mit einem breiten Grinsen auf den Lippen.
Ich fing an über ihre Anspielung zu lachen, dass ich heute mit der Wäsche dran war und schlürfte genüsslich meinen Kaffee weiter. Gewiss würde ich irgendwann den Mann fürs Leben finden, aber er würde sich nicht bei uns im Waschkeller verstecken. Dafür müsste ich schon nach Draußen gehen und Ausschau halten, was ich anschließend auch vor hatte.


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